Ich war immer zu schüchtern, hier zu schreiben, wie verliebt ich bin – Gott sei dank, im Nachhinein.
Abgesehen davon, dass das niemanden interessiert.
Jetzt bin ich sauer, und nicht so “Haha, du Arsch!”, sondern “Du Arsch, ich hasse dich, weil du atmest!”. Um mir die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, und weil wer auch immer das liest ordentlich was zum Lachen hätte, präsentiere ich mit Stolz:
Fahr’. Zur. Hölle!
Also, Jungchen, weißt du eigentlich, wie du mir auf den Sack gehst?
Kannst du dir vorstellen, was ich mit dir durchmachen musste, seit dieser einen Sache vor fünf Monaten? Ich meine, tatsächlich, ich war verliebt. Ich war so verdammt verliebt. Wahrscheinlich habe ich deshalb nie gedacht “Meine Güte, ist der ein Weichling.” Aber: so war es. Und wenn ich könnte, würde ich jetzt mahnend meinen Finger heben und ihn dir in die Nase bohren.
Ich hasse dich. Ich habe noch nie jemanden so gehasst. Wir hatten keine gute Zeit, eben nicht. Das wusste ich schon immer. Jetzt ganz am Ende ist es dem Herrn auch aufgefallen und bringt mich trotzdem noch einmal in Versuchung, es trotzdem zu probieren. Obwohl klar ist, dass wir nicht miteinander glücklich werden. Denkst du, das wär mir nie aufgefallen?
Und woran lag das? An mir, sagst du jetzt auch noch. ‘Tschuldigung, wenn ich dich beim Wort genommen habe, als du behauptet hast: “Mit mir wirst du nicht mehr glücklich.” Wort-für-Wort. Mit deinen ganzen Ausreißer-Plänen. Ich könnte ja mitkommen. Wir sind nie an die Küste gefahren.
Seit wann liebe ich dich nicht mehr? Das war schon vor deiner 2. Chance. Die du ja auch verkackt hast. Weißt du, wahrscheinlich wollte ich nur immer jemanden, der mich in den Arm nimmt, weil ich momentan aus unerklärlichen Gründen so traurig bin, oder jemanden, den ich überhaupt lieben kann, weil er so wunderbar ist, während die Welt sonst so grau daherkommt.
Das Beste daran: Sie ist nur wegen dir erst grau geworden. Ich mag meine Freunde nicht mehr. Ich mag nicht die Umgebung, in der ich lebe. Ich weiß, was ich heute tu, und was morgen.
Ich hasse Kunst. Ich hasse Frankreich. Ich hasse Jazz-Musik. Ich hasse gute Bücher. Ich hasse in meinem Bett schlafen, mit den zwei Kissen, von denen eins nur für dich da liegt. Ich hasse dich für den Kloß, der mir im Hals und in der Brust sitzt, den irgendjemand in meinem Rachen versucht, rauszuziehen und mir deshalb die Luft abschnürrt. Ich hasse Hassen. Ich hasse, dass mir Erinnerungen fehlen, an die ich nicht denken kann, um mir einzubilden, dass du ein guter Mensch warst. Und am meisten hasse ich dich, weil es deine Idee war, dass die Beziehung nach drei Monaten nie wieder so würde wie früher, weil sie die ganze Zeit das Schönste in meinem Leben war.
Vielen Dank. Auf dass es der Nächsten auch so ergehen wird. Herz.