Warum fällt es mir leicht, vor einem anderen Menschen zu bekennen, wen ich liebe, und warum finde ich nicht die passende Antwort, wenn ich gefragt werde, welche Musik ich höre? Wieso bin ich so reaktionär, dass ich jetzt schon weiß, mit wem ich mein Leben, oder zumindest meine erste Wohnung teilen möchte, und wieso ist es so schwer, zu entscheiden, ob ich eher den Studiengang in Germanistik oder den im Ingenieurwesen belegen will? Wie kann ich einerseits bereit sein, alles für eine scheinbare Nichtigkeit zu tun, und weshalb gibt es andererseits diese viel dramatischeren Fehler, über die ich mich einfach nie hinwegsetzen werde?
Immerhin, da ist jetzt wieder diese Aufbruchsstimmung in mir, stärker als jemals zu vor, und doch verbringe ich meine Zeit lieber damit, mich geistig fehl zu bilden. Am liebsten würde ich meinen Computer durchforsten und von allem befreien, was mich mit anderen Menschen in Kontakt bringt (jedenfalls auf diese elektronische Weise). Aber dann fürchte ich, dass selbige vielleicht ein Problem haben, das dringlich mit mir besprochen werden müsste, was, angesichts des oben Aufgeführten, wiederum recht unwahrscheinlich ist.
Ich bin ja kein bisschen nostalgisch. Aber irgendetwas versetzt mich in das Gefühl, dass ich, als ich noch ein Kind war, mehr wusste als heute. Dass drei Stunden schlafen plötzlich zu wenig geworden sind und dass ich, selbst wenn es so wäre, Nichts hätte, mit dem es sich einundzwanzig Stunden zu verbringen lohnte.
In Panik versetzt durch die Facharbeit und high von dem Kaffee, nach dem ich in letzter Zeit wieder süchtig bin, denke ich mir also, ich denke mal wieder.
Von Vorsätzen habe ich abgelassen. Ich will einfach nur mal wieder schreiben, und herausfinden, warum ich jemals damit aufgehört habe.
Ich will Bücher empfehlen können und Musik.
Ich will kritisieren.
Ich will von einer angesagten Person noch nie etwas gehört haben.
Ich will nicht mehr am Schuleingang feststellen, dass mir etwas fehlt, das ich mir am Morgen noch zurechtgelegt habe. Ich will keine freie Minute mehr.
Moin
Bei deiner Frage, warum es so schwer sei zwischen Germanistik und Ingenieurswissenschaften zu entscheiden, musste ich schmunzeln, weil ein Bekannter von mir nach dem Abitur vor der gleichen Wahl stand. Er hat sich damals 2000 für Ingenieurswissenschaften entschieden, weil er sich dachte er könne der Leidenschaft für die deutsche Literatur auch zu Hause fröhnen. Ausserdem waren damals die Stellenangebote für Deutschlehrer nicht gerade im Übermaß vorhanden, sodass er die Idee aufgab und der zweiten Wahl Ingenieurswissenschaften zu studieren nachgab. Versprach auch eher Geld nach Hause zu bringen e.t.c. … 3 Jahre im Studium durch die er sich eher gequält als sonst etwas hat später, hat er sein Studium abgebrochen und hat ein Jahr danach ein neues angefangen in Osnabrück: Soziologie.
weshalb schwankst du zwischen zwei so unterschiedlichen Fächern. Würde mich persönlich auch interessieren, weil ich selber solche Schwankungen hinter mir hab.
Also lange Rede kurzer Sinn; oder was ich überhaupt sagen (oder besser fragen) will …
Ach und wenn du Bücher empfehlen willst, kann ich dir alles von Haruki Murakami anbieten. Finde seine Bücher unterhaltsam und sensibel gleichzeitig. Würde ich noch auf dem Mount Everest mit abfrierenden Fingern lesen.^^
Grüße aus Hamburg, Thomas